Im Rahmen der Festlichkeiten zur 800-Jahr-Feier von Wangen bei Olten fand am Freitag, 4. September 2026, eine ganz besondere Dorfexkursion statt. Der Obst- und Gartenbauverein Rickenbach-Wangen lud zusammen mit dem Natur- und Vogelschutzverein Wangen zu einem spannenden Rundgang ein. Der Anlass lockte 33 interessierte Teilnehmende an und wurde von Max Jaggi (Natur- und Umweltfachmann, Co-Präsidium Pro Natura SO) und Fridolin Fleischli (ehem. Stadtgärtner Olten) begleitet.
«Wenn Menschen Bäume fällen, fällt uns der Himmel auf den Kopf»
Fridolin Fleischli nützte diese Metapher, um von der existenziellen Bedeutung von Bäumen für uns Menschen zu erzählen. Als Symbol für die unzertrennbare Verflechtung zwischen Mensch und Natur liefern sie uns den lebensnotwendigen Sauerstoff, speichern CO2 und sind für die Grundwasserspeicherung und -reinigung nicht wegzudenken. Ein klares Votum für die Wichtigkeit dieses Oekosystems im Klimawandel.
Hitzestress, Grünastbrüche und die richtigen Zukunftsbäume
Max Jaggi widmete sich auf dem Rundgang der Frage, wie Bäume im Klimawandel gesund bleiben können. Durch extreme Hitzesommer geraten einheimische Baumarten unter massiven Trockenstress. Wenn dadurch der feine Wasserfilm in den Leitungsbahnen des Baumes abreisst, kommt es zum plötzlichen Gewebekollaps. Die Folge sind unvorhersehbare Grünastbrüche, wie wir sie in diesem ausgesprochen trockenen und heissen Sommer vielerorts beobachten konnten – gesunde Äste brechen urplötzlich und ohne Vorwarnung ab. Ein schlecht gewählter Standort schwächt die Abwehrkräfte zusätzlich, was am Beispiel einer Linde an der Hauptstrasse in Wangen aufgezeigt wurde. Neben Hitze und Trockenheit setzt der Linde vor allem das Salzwasser aus der winterlichen Schneeräumung stark zu. Um solche Strassenbäume zu retten, wären ein Auswechseln des Bodensubstrates, gezielte Wässerung und eine schützende Bodenbegrünung hilfreich.
Angesichts dieser Herausforderungen gelten Arten wie die tiefwurzelnde Eiche oder die hitze- und trockenheitsverträgliche Esche als Zukunftsbäume. Für kleinere Gartenstrukturen wäre z.B. der Zwergahorn eine lohnende Alternative. Mit einem verbreiteten Vorurteil räumten die Experten ebenfalls auf: Hohle Bäume soll man nicht voreilig fällen. Dank der hohlen Stammbeschaffenheit können solche Bäume extreme Biegekräfte im Sturm physikalisch viel besser abfedern und sind deshalb oft elastischer als ein massiver Stamm.
Ökologische Aufwertung beim Pfarrheim
Wie Biodiversität im Siedlungsraum praktisch gefördert werden kann, erklärte Max Jaggi am Beispiel der Rasenfläche östlich der Kirche. Durch das Anlegen einer Wildblumenwiese zusammen mit einer artenreichen Wildheckenpflanzung und robusten Stauden sowie Kleinstrukturen wie Asthaufen als Unterschlupf und Lebensraum für Tiere, könnte diese eintönige Grünfläche mit einfachen Mitteln deutlich aufgewertet werden. Mit seinen Ideen stiess er bei den Mitgliedern der beiden organisierenden Vereinen des Anlasses natürlich sofort auf offene Ohren und motiviertes Handeln. Fridolin Fleischli bekräftigte dies und will für eine Umsetzung mit der zuständigen Kirchgemeinde zeitnah Kontakt aufnehmen.
Ein weiterer Stopp führte die Gruppe zur prächtigen Rosskastanie beim nahegelegenen Pfarrheim. Der Baum kämpft mit den Folgen der Rosskastanien-Miniermotte, ein vor mehr als 20 Jahren eingeschlepptes Insekt, dessen Larven die Blattstruktur zerstören und zu verfrühtem Laubabwurf führen. Doch die Natur zeigt Anpassungskräfte: Die Exkursionsleiter berichteten erfreut, dass Blaumeisen die Miniermotte neuerdings als Nahrungsquelle entdeckt haben und die Larven aus den Blättern fressen – das bedeutet Hoffnung für ein intaktes Ökosystem.
Nach rund zwei Stunden fand der gelungene Abend bei einem gemütlichen Apéro mit frischer Züpfe und Wein einen «köstlichen Abschluss. Bei guten Gesprächen liess man den Abend ausklingen. Der Schutz der heimischen Bäume und wertvollen Lebensräume auf unserem Gemeindegebiet ist eine Gemeinschaftsaufgabe – eine motivierte und engagierte Bevölkerung und die Tatkraft der lokalen Politik und Behörde sind Voraussetzung.
Monika Elsässer Natur- und Vogelschutzverein Wangen bei Olten